Was du gegen Selbstunterschätzung tun kannst

Als introvertierte und sehr bodenständige Person war ich in meiner Jugend noch nie jemand gewesen, der gerne mit seinen Erfolgen prahlte. Natürlich habe auch ich mich über gute Ergebnisse zum Beispiel in Klausuren gefreut und es auch gerne meinen Eltern anschließend erzählt, aber diese Erfolge waren nichts, mit dem ich darüber hinaus hausieren ging.

Einerseits deshalb, weil ich der Meinung war, dass es nicht zum guten Ton gehöre, eigene Erfolge anderen Mitmenschen unter die Nase zu reiben. (Vor allem nicht denjenigen, die vielleicht schlechter Abschnitten.)

Andererseits aber auch, weil ich mir oft nicht eingestehen konnte und wollte, dass ich selber für meine Erfolge verantwortlich war und etwas demzufolge gut konnte.

Ganz im Gegenteil. Noch heute habe ich oft das Gefühl, nichts so wirklich “gut” zu können, obwohl die Fakten eine ganz andere Sprache sprechen und mich regelmäßig versuchten von ihrem Wahrheitsgehalt zu überzeugen. Objektiv betrachtet ganz schön verrückt, oder nicht?

Zwar fällt es mir heute leichter als in meinen Teenager Jahren meine Erfolge als solche auch anzuerkennen und auch einfach mal Stolz auf mich zu sein, aber dennoch spüre ich wie ich regelmäßig dazu tendiere meine eigenen Fähigkeiten zu unterschätzen und mir auch große Aufgaben und Ziele nicht zuzutrauen, weil ich der Meinung war, dass ich sowieso niemals schaffen würde.

Vielleicht ist dir in diesem Zusammenhang das sogenannte “Hochstapler-Syndrom” ein Begriff. Dieses Syndrom bezeichnet ein psychologisches Phänomen, dass durch starke Selbstzweifel und die damit einhergehende Unfähigkeit eigene Erfolge anzuerkennen geprägt ist.

Das Hochstapler-Syndrom setzt sich aus folgenden Verhaltensmustern zusammen:

  1. Erfolge oder gute Leistungen werden mit “Glück” oder “Zufall” begründet. Man ist sich dabei sicher, selber in keiner Weise zum guten Ergebnis beigetragen zu haben
  2. Schlechte Ergebnisse oder Misserfolge werden sofort mit eigenen mangelnden Kenntnissen begründet und in Folge unterstützt dies das Denken, dass Erfolge nur durch Zufall oder Glück zustande kamen

Gerade für jemanden, der zu Schulzeiten in Fächern wie Mathematik oder Physik mit schlechten Noten geglänzt hatte und von den Lehrern entsprechend Rückmeldung erhielt, dass es an Intelligenz mangelte um den Stoff zu verstehen, stellt die Auflösung solcher Glaubenssätze und Selbstzweifel eine ganz schöne Herausforderung dar.

Noch heute kämpfe ich fast jeden Tag damit, dass Lehrer zu meiner Schulzeit mir das Gefühl gaben in keinem Bereich wirklich talentiert zu sein, obwohl ich durchaus die Fähigkeiten die es benötigt hätten. Nur leider gab es niemanden der mich motivieren wollte, an mich selber zu glauben und so erklärte ich mir unerwartete gute Noten immer mit “Glück gehabt”. Glück, dass in meinem Kopf absolut nichts mit meinen Fähigkeiten zu tun hatte, sondern durch einen Zufall einfach passiert sei.

Um mich jedoch genau so oft daran zu erinnern, dass Glück und Zufall nicht mein ganzes Leben bestimmen können und ich durchaus auch Fähigkeiten hatte, die ich als solche auch anerkennen durfte, habe ich es mir angewöhnt alle meine Erfolge und den Weg dorthin detailliert aufzuschreiben (oder mir zumindest in Gedanken bewusst zu machen, wenn mir nicht nach Aufschreiben war).

Dies hilft mir nicht nur dabei zu realisieren, dass diese Selbstzweifel in meinem Kopf existieren, sondern unterstützen mich auch dabei klar und deutlich zu sehen, dass meine Erfolge nicht einfach von “irgendwoher” kommen. Es hilft mir zu sehen, dass sie das Produkt mehrere aufeinanderfolgenden guter Entscheidungen waren sowie meiner eigenen Motivation zu verdanken war, ein bestimmtes Ziel erreichen zu wollen.

Das Aufschreiben und Festhalten dieser Erfolge hat auch insgesamt einen sehr positiven Einfluss auf meine Gedanken und die darin immer wieder aufkommenden Selbstzweifel. Jedes Mal, wenn diese negativen Gedanken auftauchen, reagiere ich mittlerweile automatisch mit positiven Gegenargumenten, die sie in kurzer Zeit entkräften und nach wenigen Minuten verschwinden lassen.

Die destruktiven Gedanken halten sich so nur kurz in meinem Kopf auf und beeinflussen mich so nur noch so geringfügig, sodass ich heute meiner Fähigkeiten deutlich bewusster bin und großen Herausforderungen in der Regel mit Freude und Motivation entgegenblicken kann.

Natürlich bin ich deshalb nicht “geheilt”. Tatsächlich glaube ich, dass es noch einige Jahre an aktiver Entgegenwirkung bedarf um dieses Problem vollständig zu beheben. Aber es ist schon einmal ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, um ein entspannteres Leben zu führen, dass mir wirklich Freude bringt und mir erlaubt auch manchmal Stolz auf mich zu sein.

Denn Stolz sollten wir alle auf uns sein, damit wir uns an die Dinge erinnern können, in denen wir gut sind.

Ansonsten sind wir gefangen in einem Hamsterrad, welches uns niemals erlaubt nach den Sternen zu greifen und groß zu denken. Und wer nicht groß denkt, wird niemals in der Lage sein, große Ziele zu erreichen.

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